We love the Sportklub not

Es gibt das „Wiener Derby“ und es gibt das Spiel „Vienna gegen den Sportklub“. Und eigentlich ist das ja auch ein Derby, aber irgendwie ist der Name schon von den zwei großen Vereinen der Hauptstadt belegt. Lange Zeit wurde also das, was Freitag auf der Hohen Warte stattfinden soll, einfach als „kleines Wiener Derby“ bezeichnet. Der drittbeste Verein Wiens gegen den Sportklub, das war eben das kleine Derby. Und wir waren alle glücklich.

Wiener Wurschtklub

„Dörbi of Love“

Im fernen Jahr 2007 wurde ein Fanzine zum Derby herausgegeben – sein Titel lautete „Dörbi of Love“. Schönes Ding war das, auch irgendwie witzig. Dass in Bälde alle Sportredakteure des Landes mangels besseren Wissens und eigener Phantasie auf diese Phrase zurückgreifen würden, hätten die Macher dieses Druckwerks damals wohl nicht gedacht. Wir auch nicht. Und doch stehen wir jetzt vor den medialen Trümmern unseres Verhältnisses zum Sportklub. Aus respektvollem Umgang in Verbindung mit „gesunder Rivalität“ wurde… „Liebe“.

Gewissermaßen haben uns dieses Ei jene Menschen aus unserem großen, bunten Fanblock gelegt, die in früheren Zeiten sehr enge Bande zu den Dornbachern knüpften. Man kannte sich vom Feiern und sonstigen gemeinsamen Vorlieben in Sachen Freizeitgestaltung. Das war vor 10 Jahren. In der sehr heterogenen Gruppe namens „Viennafans“ mag es vielen, vielleicht den meisten, anders gehen, aber von den Menschen in meiner näheren Tribünenumgebung, gemeint sind die Wanderers, kann das niemand von sich behaupten. Persönlich sind mir vielleicht zwei Sportklub-Fans bekannt. Wirklich befreundet bin ich mit keinem. Und auch wenn wir alle gerne ins „Flag“ trinken gehen – betrunkener Sex ist nicht gleich Liebe.

Ich hass dich nicht, du liebst mich nicht

Grundsätzlich ist etwas nicht ‚gleich Liebe‘, nur weil es zufälligerweise nicht „Hass“ heißt. Intelligente menschliche Wesen, die sich selbst nicht über alle Maßen ernst nehmen, die zur Ironie fähig sind, die lieben sich nicht automatisch. Die Verfrachtung der verbalen Auseinandersetzung mit dem bestenfalls viertbesten Verein aus Wien auf eine Ebene, auf der niemandem ein Zacken aus der eitlen Krone bricht, wenn er einen Witz oder eine Schmähung auf seine Kosten einstecken muss, das ist keine Liebe.

Dass Außenstehende beide Lager gerne zur „linken Fanszene“ in Österreich zählen, ist für das alles nicht der Hauptgrund. Wer liebt schon jeden, der im weitesten Sinne die selben politischen Ansichten teilt? Klar, wir nennen uns nicht gegenseitig „Hurensöhne“, auch nicht „Zigeuner“ oder „Juden“, und ob das Gegenüber lieber mit Mädchen oder Buben Sex hat, das interessiert uns eigentlich nicht – aber der Witz ist ja: Selbst wenn die Unaussprechlichen aus dem 17. Bezirk das täten: Sexarbeit (vulgo „Prostitution“) ist ein Job, Underdogs sind cool und „Du bist schwul!“ wird nie eine Beleidigung sein. (mond)


2 Antworten auf „We love the Sportklub not“


  1. 1 Karl Lakner 23. August 2014 um 13:05 Uhr

    Du hast Recht, wenn du schreibst, wir lieben einander nicht.
    Bei der Namensgebung geht’s aber nicht um die Liebe zueinander,
    sondern um die Liebe zu diesem Derby.
    Also: Themenverfehlung, setzen, fünf.
    Schwarz-weiße Grüße,
    Karl

  2. 2 Jakobiner 23. August 2014 um 17:22 Uhr

    trotzdem wird in allen medien, wie oben auch beschrieben, diese hohle phrase für das verhältnis der fanszenen zueinander benutzt. also: text lesen, dann kommentieren. Themenverfehlung, setzen, sechs. :P
    blau-gelbe grüße, Jo

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