O‘zipfat is!

Seit 9.10. wissen wir, dass beim kommenden Heimspiel die Afterparty unter dem Motto Oktoberfest steht. Soweit so schlecht.
Ob man Befürworter oder Gegner solcher vom Verein organisierten Partys ist, sowie alle Für- und Gegenargumente lassen wir mal aus dem Blickfeld, worum es jetzt geht ist der Zusatz „Oktoberfest“ zur Afterparty
„Wir möchten uns an dieser Stelle positionieren und klar stellen, dass wir das gewählte Thema nicht gut heißen. Auf bayrisch gesagt: „mia finden es is a Krampf.“

Die Argumente für eine solche Party sind so gut verständlich wie sie auch zu kurz gegriffen sind. – Ja, wir wissen die Vienna braucht jeden Cent und ja, wir wissen auch das Engagement zu schätzen und ja, das hier ist auch nicht so gemeint, als ob wir immer alles besser wissen (wie es einzelne nicht kritikresistente Funktionäre im Verein immer wieder gern auffassen).
Wir finden, dass es eine Menge an anderen Mottos für eine solche Party gäbe die wesentlich besser zur unserer Vienna passen würden.

Wir sehen keinen Sinn dahinter, einen Abklatsch eines Abklatsches auf dem Gelände unseres geliebten Vereins zu veranstalten, egal wie viel Profit dabei rausspringen würde (und ob wir an diesem Abend durch eine solche Aktion mehr Personen auf die Howa locken bleibt zweifelhaft).

Aber was steckt eigentlich hinter dieser Faszination Oktoberfest? Oft hört man in diesem Zusammenhang das Wort Tradition. In München macht dieses Wort historisch gesehen auch Sinn, seit zweihundertvier Jahren feiern die Münchner dieses Fest. Wie viele traditionsbewusste Lederhosenträger hätten das gewusst? (ok. ich gebs zu ohne Wikipedia hätte ich auch keine Ahnung, aber ich hab auch keine Oktoberfestpanier)
Seit wann feiern die Wiener dieses Fest?
Wie heißt es so schön: „Wenn die Welt untergeht, dann zieh nach Wien, denn dort passiert alles zwanzig Jahre später.“ – Im Fall der Wiesen kam der Untergang glücklicherweise noch später (bezogen auf die Wiener Wiesn).

Bleiben wir doch noch kurz beim Begriff der Tradition. Wer die Münchner Wiesn kennt, weiß das die dicken alten traditionalistischen Trachtenträger sich nur ungern unter den gemeinen Oktoberfestpöbel mischen. Ja, wer die Wiesen „wie früher“ feiern möchte, darf sich hierfür in einen separaten Bereich des Festes begeben. Selbst die Traditionalisten vom Trachtenverband wollen diese ganze Oktoberfestscheiße nicht so wirklich.

Die Tatsache, dass die Kostümierung des gemeinen Zeltsäufers kaum mehr etwas mit traditionellen Trachten zu tun hat, sondern das realisierte Ideal nationalsozialistischer Träume von einer „lässigen“ Volkskluft darstellt, macht die Sache für uns nur wenig besser.

Nicht dass wir die richtigen Trachten besser finden, ehrlich gesagt finden wir so ziemlich beides scheiße, aber wenigstens kann man auf diese Weisen den Neotrachtenträger das Wort Tradition wegnehmen. Was bleibt dann überbleibt ist eine Versammlung an verkleideten Leuten die sich besaufen, dazu Gabalier und co. abfeiern und sich endlich mal öffentlich zu ihrem Stolz Österreicher zu sein (oder Bayer, je nach Ort) bekennen dürfen.

Ach ja: „Es sind ja nicht nur Inländer bei solchen Festen anzutreffen“ höre ich die Leute schon sagen. Ja klar, solche Veranstaltungen ziehen außerdem massenhaft Touristen und vereinzelt gar Leute mit Migrationshintergrund an. Aber so richtig dabei haben möchte man die eben nicht – außer sie verhalten sich richtig und feiern so wie es gewünscht ist; oder hast du schon mal einen Türken in türkischer Tracht ein türkisches Volkslied singen gehört? „So lang sie sich anpassen sans eh ok“ – typisch rechtspopulistische Integrationspolitik im Festzelt…

Ob gewollt oder nicht, solche Veranstaltungen ziehen eigentlich immer ein rechtsoffenes Publikum an. Noch dazu dienen sie den Leuten sich in ihrer patriotischen Weltanschauung besser zu fühlen (dreht und wendet es wie ein ihr wollt, Nationalismus und „Party“-Patriotismus findet man beim Fußball anderswo zur genüge)

Wie dem auch sei: wir finden nicht, dass solche Veranstaltungen zum Image unseres Vereins/unserer Fanszene passen und werden uns lieber ein lauwarmes Dosenbier im Karl Marx Hof gönnen, als bei so einem Zirkus mit zu machen.