Wer gehört auf die Hohe Warte?

Und täglich grüßt das Murmeltier: Gab es im letzten Jahr noch eine begründete Hoffnung auf eine vernünftige Neuausrichtung des Vereins und einen Bruch mit den Methoden der Ära Dvoracek (Einrichtung eines Fanbeirats und eines Fancontainers auf der Hohen Warte), so hat sich diese Hoffnung spätestens in dieser Woche in Luft aufgelöst.

Der nicht nachvollziehbaren Entscheidung den Trainer (Danke, Hans!) zu entlassen, aber den für die Misere verantwortlichen Sportdirektor zu behalten und schon wieder den Amateurtrainer nachzuholen, folgte die peinliche Pressemitteilung des Sponsors zur verweigerten Lizenz („Lügenpresse!“). Damit nicht genug, haben sich Präsident und Teammanager am Mittwoch endgültig ins Aus manövriert.

Hintergrund: Seit einiger Zeit haben einige engagierte Fans aus dem Fanblock die Pressearbeit des Vereins ehrenamtlich übernommen. Dies war das Ergebnis der öffentlich und aggressiv zur Schau gestellten Unfähigkeit des Teammanagers in den Bereichen Orthografie und soziale Kompetenz. Das ehrenamtliche Team betreute nun erfolgreich und kompetent die Homepage und die Social-Media-Kanäle; das alles sehr zur Freude der immer kleiner werdenden Anzahl der aktiven Fans.

Zusätzlich gelang es ihnen, das Komikerduo „Gebrüder Moped“ dazu zu bewegen eine Kolumne für die Vereinshomepage zu schreiben. Nette Sache, eigentlich! In ihrem Text „Der Islam gehört auf die Hohe Warte“ anlässlich des Spiels gegen Donaufeld erinnern sie an den Bau der Moschee in den 70ern, einer Zeit also, in der es noch andere Themen zum Aufregen gab als Minarette und Kopftuchtragen. Zusätzlich gab es noch ein paar Seitenhiebe für die großen und kleinen Haiders dieser Republik. Satire, wie sie auch in den Wochen zuvor an gleicher Stelle zu lesen war.

Der Präsident sah das offensichtlich nicht so und ließ – ohne Vorwarnung – gleich alle (!) Texte der Mopeds von der Homepage entfernen. Den Grund erfahren wir bei Facebook von seiner Frau (klassischer Kommunikationsweg bei der Vienna): „es war nur auf anweisung meines gatten, denn wir sind ein fußballclub und nicht an religiösen od. politischen meinungen interessiert.“

Vielleicht sollte sich das Präsidium einmal anschauen, an wen sich diese Kolumnen überhaupt richteten. Ein kurzer Text zur Positionierung der Fans befindet sich auch auf der offiziellen Homepage der Vienna. Ein kleiner Auszug. „Bei aller Verschiedenheit der SupporterInnen aus unterschiedlichsten Milieus steht die „Vienna-Family“ für den Grundkonsens: Blau-Gelb supporten, homophobe, rassistische, sexistische bzw. herabwürdigende Äußerungen/Anfeindungen unterlassen, auf gewalttätige Auseinandersetzungen verzichten! (…) Neben einer Repolitisierung – Aktionen u.a. gegen Homophobie, Rassismus, Repression (§ 278a) und Abschiebungen (FC Sans Papiers) – war vor allem die Selbstorganisation der Fankurve ein wichtiger Schritt.“ ( http://firstviennafc.at/fans_info.php) .

Auch in der Sponsorenmappe des Vereins scheint Politik sehr wohl willkommen. Dort rühmt man sich mit der Fanszene, die keinen Platz für Diskriminierung zulässt und unterstreicht das Ganze noch mit dem Bild einer unserer Fahnen mit dem Spruch „World without Fascism“ (Siehe Seite 6 in diesem pdf: http://firstviennafc.at/downloads/Sponsorenmappe.pdf).
Das erweckt den Eindruck als sei eine politische Fanszene sehr wohl willkommen, wenn sie gewinnbringend ist. Wenn sie Fragen stellt, Transparenz und Mitwirkung einfordert, behandelt man sie doch recht stiefmütterlich.

Wir werden auch weiterhin unseren Kopf nicht am Stadioneingang abgeben und gegen Diskriminierung kämpfen, im Stadion und außerhalb. Dabei lassen wir uns sicher nicht den Mund verbieten. Und letztlich ist es doch so: Präsidenten und Mitarbeiter sind austauschbar – Wir bleiben!